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Erfrischender Auftritt der U 21: "Großes Kompliment für Essen"

Tolles Wetter und engagierte DFB-Leistung bescheren 4.227 Zuschauern einen schönen Fußballabend

22.03.2019
Mehr als 4.200 Zuschauer sorgten beim Testspiel der deutschen U 21 gegen Frankreich (2:2) in Essen für gute Stimmung.
Mehr als 4.200 Zuschauer sorgten beim Testspiel der deutschen U 21 gegen Frankreich (2:2) in Essen für gute Stimmung. - Foto: Getty Images

Was für ein stimmungsvoller Fußball-Abend im Stadion Essen: Exakt 4.227 Fans sorgten beim U 21-Länderspiel am gestrigen Donnerstagabend, 21. März, zwischen Deutschland und Frankreich (2:2) an der Hafenstraße für eine prächtige Atmosphäre. Haupttribüne und Gegengerade waren bei nahezu wolkenlosem Himmel gut gefüllt. Bei der Verkündung der Zuschauerzahl brandete großer Applaus auf.

Nicht zuletzt die deutsche Auswahl selbst sorgte dafür, dass die vielen Besucher, darunter unter anderem FVN-Präsident Peter Frymuth, FVN-Vizepräsident Jürgen Kreyer, Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen, NRW-Staatssekretärin Andrea Milz (für Sport und Ehrenamt) sowie der ehemalige Nationalspieler Kevin Kuranyi, auf dem gut zu bespielenden Grün über weite Strecken einiges geboten bekamen - unter anderem vier Tore und rekordverdächtige 15 Wechsel bei Deutschland (alle acht in der 62. Minute) und Frankreich (sieben).

Levin Öztunali vom Bundesligisten FSV Mainz 05 hatte die von Ex-Nationalspieler Stefan Kuntz trainierten Gastgeber bereits in der fünften Spielminute in Führung gebracht, Premieren-Torschütze Maximilian Mittelstädt (31.) von Hertha BSC baute den Vorsprung aus. Im zweiten Durchgang kamen dann die Gäste immer besser ins Spiel und durch Treffer von Jonathan Ikoné (51.) und Moussa Dembelé (65.), der einen Freistoß sehenswert verwandelte, zum Ausgleich.

Arne Maier (links) im Duell gegen einen französischen Gegenspieler, Nadiem Amiri (hinten) beobachtet die Aktion.
Arne Maier (links) im Duell gegen einen französischen Gegenspieler, Nadiem Amiri (hinten) beobachtet die Aktion. - Foto: Getty Images

Viele Familien mit ihren Kindern hatten den Weg ins Stadion Essen gefunden, wo sonst Regionalligist Rot-Weiss Essen und Frauen-Bundesligist SGS Essen ihre Heimspiele austragen. Tobias Ritz, Torwarttrainer bei RWE im Nachwuchsbereich, hatte zum Beispiel Sohn Carlos zu dessen erstem Länderspiel mitgebracht. „Ich habe selbstverständlich verstärkt auf die Torhüter auf beiden Seiten geachtet“, freute sich Tobias Ritz über das internationale Flair auch zwischen den Pfosten.

Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen zeigte sich stolz, dass das Stadion Essen zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit für ein hochkarätiges Länderspiel ausgewählt worden war. Erst im Oktober war die deutsche Frauen-Nationalmannschaft (3:1 gegen Österreich) im Ruhrpott zu Gast. „Erneut ausgewählt worden zu sein, ist ein großes Kompliment für unsere Stadt“, strahlte Kufen. „Der DFB und der Fußballverband Niederrhein haben offenbar ein Herz für Essen. Ich denke, dass wir für solche Anlässe auch sehr gute Bedingungen aufbieten können“, so Kufen, der bereits einen Tag vor der Austragung des Frankreich-Spiels beim gut besuchten öffentlichen Training der deutschen U 21 vorbeigeschaut hatte.

Zufrieden mit dem Verlauf des Abends war auch FVN-Präsident Peter Frymuth. „Der Rahmen für das Spiel war hervorragend. Nicht zuletzt das Wetter hat mitgespielt. Den ganzen Tag schien die Sonne. Wir haben unseren französischen Gästen klarmachen wollen, dass dies das typische Essener Wetter war. Das haben sie uns dann doch nicht geglaubt“, lachte der FVN-Präsident, der den Auftritt der deutschen Mannschaft lobte. „Ich war gerade vom Verlauf der ersten Halbzeit positiv überrascht. Das Team von Stefan Kuntz hat insgesamt sehr engagiert gespielt und uns allen einen schönen Fußballabend beschert.“

Das Video von DFB-TV zum U 21-Länderspiel

Auch Trainer-Legende Otto Rehhagel (80), gebürtiger Essener, einst für Rot-Weiss Essen am Ball und - unvergessen - 2004 als Trainer sensationell Europameister mit Griechenland, hatte sich das Länderspiel vor der eigenen Haustür nicht entgehen lassen. „Schön, dass erneut eine internationale Begegnung im Stadion stattgefunden hat“, so „König Otto“. „Da musste ich selbstverständlich dabei sein. Mal schauen, welcher Spieler es in naher Zukunft auf die ganz große Bühne schafft. Die Franzosen haben sicher Spielertypen in ihren Reihen, die wir nicht haben. Die deutsche Mannschaft hat jedoch gezeigt, dass auch sie nicht zu unterschätzen ist. Beide Teams haben es gut gemacht.“

DFB-Spieler Emmanuel Iyoha (rechts) im Laufduell.
DFB-Spieler Emmanuel Iyoha (rechts) im Laufduell. - Foto: Getty Images

Das sah Marlies Ibrügger aus Bielefeld ganz ähnlich. Die Anhängerin des Zweitligisten Arminia Bielefeld war begeistert vom Spiel und vom Drumherum. „Ich war zum ersten Mal im Stadion Essen und muss schon sagen, dass es ein kleines Schmuckkästchen ist. Ich habe mich in jedem Fall sehr wohl gefühlt und mich gefreut, den ehemaligen Arminia-Spieler Stefan Kuntz - zumindest aus der Ferne - nach langer Zeit mal wieder zu sehen.“

Nicht nur für Otto Rehhagel, auch für U 21-Torhüter Moritz Nicolas war das Duell Deutschland gegen Frankreich im Stadion Essen eine Art Heimspiel. Der im nahe gelegenen Gladbeck geborene 21-jährige Schlussmann war von 2013 bis 2015 für Rot-Weiss Essen am Ball. Im Nachwuchsbereich des Traditionsvereins hatte er sich mit guten Leistungen für höhere Aufgaben empfohlen. Im Alter von 17 schloss er sich Borussia Mönchengladbach an. Bei den Fohlen trainiert er bei den Profis und sammelt bei der U 23 in der Regionalliga West regelmäßig Praxis. Bis zum Länderspiel in Essen kam er für die Zweitvertretung von Trainer und Ex-Torjäger Arie van Lent in 20 Begegnungen zum Zug. Dabei kassierte er 22 Gegentreffer. In sieben Spielen stand hinten die Null.

Beim Länderspiel an alter Wirkungsstätte konnte sich Nicolas, der bis dahin einmal für die deutsche U 21-Auswahl zwischen den Pfosten stand (in der Qualifikation zur Europameisterschaft beim 2:0 gegen Irland in Heidenheim), nicht auszeichnen. Kuntz setzte während der 90 Minuten auf Florian Müller vom 1. FSV Mainz 05. Dieser kam zu seiner Premiere bei der U 21. „Das war so abgesprochen“, nahm es Nicolas gelassen. „Ich freue mich sehr, überhaupt im Aufgebot zu stehen. Jede Einladung zur Nationalmannschaft ist eine feine Sache. Aber ganz klar: Als Fußballer willst du möglichst immer spielen. Dafür gebe ich alles.“

Doch auch auf der Bank hatten Moritz Nicolas und seine Teamkollegen Spaß. „So ein Heimspiel ist schon etwas Besonderes. Unsere Mannschaft hat alles in die Waagschale geworfen und sich viele Chancen erarbeitet“, sagt der professionelle Tore-Verhinderer. „Ich hoffe, dass die Fans zufrieden nach Hause gegangen sind. Das Publikum war klasse, hat uns richtig gut angefeuert. Wir alle haben uns sehr darüber gefreut, dass auch so viele Kinder zu hören waren.“

Gladbachs Florian Neuhaus (links) mit vollem Einsatz.
Gladbachs Florian Neuhaus (links) mit vollem Einsatz. - Foto: Getty Images

Ein Mannschaftskollege von Moritz Nicolas war der einzige Spieler vom Niederrhein, der auf dem Rasen zu sehen war: Mittelfeldspieler Florian Neuhaus durfte 62 Minuten ran, machte dann Platz für Pascal Stenzel vom SC Freiburg. Der 22-jährige Neuhaus ist sowohl bei Mönchengladbach als auch bei der U 21 eine feste Größe. In der laufenden Bundesliga-Saison standen für ihn bis zum Auftritt gegen die Franzosen 25 Einsätze zu Buche, in der deutschen U 21-Nationalmannschaft war die Partie am Niederrhein Einsatz Nummer elf. Seine persönliche Bilanz konnte sich bis dahin mit neun Siegen, einem Remis und einer Niederlage durchaus sehen lassen.

U 21-Nationaltrainer Stefan Kuntz, der die deutsche Nachwuchs-Auswahl 2017 zum EM-Titel führte und 1996 als Spieler mit der A-Nationalmannschaft Europameister wurde, lobte nach dem Duell mit den starken Franzosen die Leistung seiner Schützlinge. „Es war unter dem Strich eine gute Teamleistung. Wir wollten unsere Stärken auf den Platz bringen und schauen, wie wir dem Gegner wehtun können. Da hatten wir besonders in der ersten Halbzeit ganz gute Ideen. In Hälfte zwei lief es dann nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten“, lautete das Fazit des 56-Jährigen.

So richtig ernst wird es für die U 21 bei der Europameisterschaft, die vom 16. bis zum 30. Juni in Italien und San Marino ausgetragen wird. Insgesamt zwölf Mannschaften haben sich qualifiziert. Die deutsche Auswahl bildet als Titelverteidiger den Kopf der Gruppe B. Gegner sind Dänemark (17. Juni in Udine), Serbien (20. Juni in Triest) und Österreich (23. Juni in Udine). Insgesamt gibt es drei Gruppen. Die Gruppensieger sowie der beste Zweitplatzierte erreichen das Halbfinale.

Bis dahin ist es für Kuntz noch ein weiter Weg. „Auch wenn wir die Bewährungsprobe gegen den Mitfavoriten aus Frankreich in Essen ganz gut gemeistert haben“, sagte der Ex-Profi mit sprichwörtlich erhobenem Zeigefinger. „Es gibt bis zum Turnierstart noch einiges zu tun.“

Text: Thomas Palapies-Ziehn,
Fotos: Getty Images

Weitere Bilder vom Länderspiel in Essen:

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