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Laura & Weronika Rekus: Xanten, Essen, Polen und zurück

Die 17-jährigen Zwillinge spielen für Zweitligist SGS Essen II und die polnische U 19

20.12.2018
Die Zwillinge Laura (linkes Foto, rotes Trikot) und Weronika Rekus haben große Pläne.
Die Zwillinge Laura (linkes Foto, rotes Trikot) und Weronika Rekus haben große Pläne. - Foto: Imago, FUSSBALL.DE / Collage: FVN

Zwillinge im Trikot der SGS Essen - das könnte fast ein bisschen Tradition werden: Nach Jule und Pauline Dallmann, die ebenfalls aus der Jugend der Schönebeckerinnen kommen, tragen nun Laura und Weronika Rekus das Trikot der Essenerinnen. Und ähnlich wie ihre Vorgängerinnen (Pauline Dallmann spielt aktuell für Borussia Mönchengladbach) bauen auch sie sich ein zweites Standbein in der U-Nationalmannschaft auf. Allerdings in der polnischen. Das bedeutet einen großen Zeitaufwand für die beiden 17-Jährigen, die die Strapazen für ihre große Leidenschaft aber gerne in Kauf nehmen.

Drei Mal in der Woche Training, am Wochenende ein Spiel. Und jedes Mal geht es für die Rekus-Schwestern von Xanten nach Essen und wieder zurück. Da sie noch nicht selber Auto fahren dürfen, müssen ihre Eltern herhalten. Ein großer Zeitaufwand für die ganze Familie also. Doch Vater Adrian und Mutter Katarzyna unterstützen ihre Mädels, wo sie können, seit diese mit neun Jahren angefangen haben Fußball zu spielen.

Damals hatten sie aus der Schule einen Zettel für ein Probetraining mitgebracht. Das Interesse war geweckt und der Papa meldete Laura und Weronika beim SSV Lüttingen in Xanten an. Das war im August 2008. Schon damals war zu erkennen, dass viel Potenzial in den beiden Zwillingen steckt, die teilweise mit den Jungs zusammenspielten und regelmäßig nach Duisburg zum Auswahltraining des Fußballverband Niederrhein (FVN) fuhren, wo schließlich der SV Rees auf die beiden aufmerksam wurde.

Das war vielleicht das bislang beste, was ihnen passieren konnte, denn der SVR war das Sprungbrett für die große internationale Bühne. Auf einem Turnier in Spanien sprach sie ein Mann an und steckte Familie Rekus eine Visitenkarte zu, als er gehört hatte, dass sie sich auf Polnisch unterhielten. „Ruft da mal an“, hatte er gesagt. Es war die Nummer eines Scouts, der Talente für das Heimatland sucht. Denn gebürtig sind die Rekus-Zwillinge aus Polen. Als sie drei Jahre alt waren, kamen sie mit ihren Eltern aus Warschau nach Deutschland, so dass sie beide Staatsbürgerschaften besitzen. „Es hat nicht lange gedauert, dann wurden sie zum ersten Training eingeladen“, erinnert sich Vater Adrian Rekus.

Seitdem kutschiert er seine Töchter nicht nur am Niederrhein durch die Gegend, er hat sie auch schon mit dem Auto bis an die weißrussische Grenze gefahren, damit sie mit der Nationalmannschaft einen Lehrgang bestreiten konnten. 1.200 Kilometer. „Normalerweise fliegen sie, aber da hatte das alles nicht hingehauen, weil sich der Flug mit einem Ligaspiel überschnitten hat. Also habe ich mir drei Tage Urlaub genommen und habe sie gebracht.“

Ist auf der linken Abwehrseite zuhause: Laura Rekus.
Ist auf der linken Abwehrseite zuhause: Laura Rekus. - Foto: FUSSBALL.DE

Das alles ist auch möglich, weil sie von der Schule die größtmögliche Unterstützung bekommen. Nach dem Realschulabschluss machen sie am Gymnasium in Xanten jetzt ihr Abitur. Die ersten Tage dieses Schuljahres waren sie in Polen beim Stützpunkttraining. Zwei Wochen später stand der nächste Termin an. Der Schuldirektor war zunächst nicht so begeistert. „Aber wir haben dann geredet und jetzt stehen alle voll dahinter“, freut sich Vater Rekus, der seine Mädels vor dem Engagement in Essen auch schon zum VfL Bochum gebracht hat, wo sie in der U 17-Bundesliga gespielt haben.

Wichtig ist, dass bei dem ganzen Aufwand und den Strapazen der Spaß nicht verloren geht. Da machen sich Laura und Weronika aber keine Sorgen. Sie lieben Fußball. Als sie das erste Mal nach Polen eingeladen wurden, waren sie richtig nervös. „Aber wir haben schnell gemerkt, dass alle sehr nett sind und es wie in einer großen Familie ist“, sagt Weronika. Es erfüllt die beiden Zwillinge mit Stolz, wenn sie das Nationalmannschaftstrikot tragen.

Schon immer haben die beiden Mädchen alles gemeinsam gemacht. Zwar nervt es durchaus manchmal, wenn immer jemand dabei ist, verrät Weronika. Auf der anderen Seite ist es dann aber auch schön, dass man immer direkt alles mit jemandem teilen kann. Und einen – entscheidenden – Unterschied gibt es dann auch bei den beiden: Laura ist auf der linken (Abwehr)Seite zu Hause, Weronika auf der rechten. Geschickt gelöst, so sind sie auf dem Fußballplatz wenigstens keine Konkurrentinnen. Verwechslungsgefahr besteht trotzdem, beide sehen sich extrem ähnlich. Zur Unterscheidung haben sie es so gemacht, dass die eine (Laura) blaue Fußballschuhe trägt und die Haare zu einem Pferdeschwanz bindet, die andere (Weronika) schwarze Treter hat und mit Dutt spielt. Um dennoch auf Nummer sicher zu gehen, dass auch die richtige auf dem Platz die Informationen der Mitspielerinnen oder Trainer bekommt, drehen sie sich immer beide um – egal, welcher Name gerufen wird.

Im Sommer haben sie sich mit der SGS Essen II für die eingleisige zweite Bundesliga qualifiziert. Damals spielten die Rekus-Schwestern zwar noch für die U 17, erste Luft bei den Damen durften sie aber schon schnuppern. Auch in der Relegation gegen Union Berlin kamen sie zum Einsatz, verließen dafür sogar extra früher die Hochzeit ihres Onkels und machten auf dem Rückweg halt in der Bundeshauptstadt. Aktuell läuft es nicht ganz so erfolgreich. Essen steht abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz. „Ich denke, wir haben uns noch nicht richtig an die Liga gewöhnt“, mutmaßt Weronika. Nicht nur für sie und ihre Schwester ist im ersten Jahr bei den Seniorinnen alles neu. „Wir sind wohl mit der Mannschaft noch nicht richtig bereit dazu.“ Der Sprung aus der Regionalliga scheint wohl doch zu groß zu sein.

Vom Träumen hält das Laura und Weronika Rekus dennoch nicht ab. Eines Tages würden sie gerne für einen großen Klub in der Bundesliga spielen. „Der VfL Wolfsburg oder FC Bayern München wären schon schön“, sagt Weronika, deren Lieblingsverein Paris St. Germain ist, wo in Neymar auch ihr Lieblingsspieler spielt. Doch bis es so weit ist, setzen sich die beiden Talente nicht unter Druck. „Die Zeit wird kommen“, sagt Weronika. „Wenn wir weiter hart arbeiten, dann können wir viel erreichen.“

Erst einmal steht jetzt mit der U 19 Polens die EM-Qualifikation aus. Nachdem der erste Teil in den Niederlanden stattgefunden hat, geht es als nächstes nach Belgien. Vater Adrian Rekus freut sich schon auf die Spiele: „Dann sind es nur 400 Kilometer zu fahren“, sagt er und schmunzelt.

Text: Kristina Jäger

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