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Nach Kreisliga-Derby: Facebook-Hype um Schiedsrichter Jonah Besong

20-jähriger Duisburger kommt in WDR-Film trotz hitziger Partie cool und selbstbewusst rüber

27.10.2018
Der Duisburger Jonah Besong hat im Alter von 14 Jahren mit der Schiedsrichterei angefangen.
Der Duisburger Jonah Besong hat im Alter von 14 Jahren mit der Schiedsrichterei angefangen. - Foto: privat

Beim Kreisliga-Derby zwischen der GSG Duisburg und dem SV Wanheim 1900 geht es auf dem Platz ordentlich zur Sache. Zwei Spieler fliegen mit Rot vom Platz, acht weitere sehen Gelb. Dass sich nachher trotzdem keiner über den Schiedsrichter beschwert, ist fast ein Wunder. Der Unparteiische heißt Jonah Besong, ist erst 20 Jahre alt – und will in die Bundesliga.

Dass er einen guten Job an der Pfeife macht, haben inzwischen etliche Menschen in ganz Deutschland gesehen. Beim hitzigen Duisburger Kreisliga-Duell am 3. Oktober dieses Jahres wurde Jonah Besong nämlich von einem Kamerateam des WDR-Fernsehens für die Sendung Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs begleitet. Allein auf Facebook wurde der Vierminuten-Clip inzwischen mehr als 770.000 Mal aufgerufen.

Im Interview mit dem Fußballverband Niederrhein (FVN) erklärt der Sohn einer deutschen Mutter und eines Vaters aus Kamerun, wie er zur Schiedsrichterei gekommen ist, bei welchem bekannten Referee er sich am meisten abschaut und dass er in die Bundesliga kommen will.

fvn.de: Jonah Besong, Ihren Auftritt bei Arnd Zeigler haben ziemlich viele Leute verfolgt. Wie kommen Sie mit dem plötzlichen Ruhm klar?

Jonah Besong: (lacht) Na ja, im Alltag merkt man das nicht. Es ist ja nicht so, dass ich ständig darauf angesprochen werde. Aber nach der Ausstrahlung hatte ich schon viele Nachrichten auf meinem Handy und die meisten Kommentare auf Facebook von Menschen in ganz Deutschland waren auch positiv. Das hat mich sehr gefreut und ist eine schöne Bestätigung für mich als Schiedsrichter, denn in der Regel werden wir ja nicht so gut bewertet. Das ist ein toller Ansporn, so weiter zu machen.

Sie kommen in dem Beitrag recht cool rüber. Waren Sie es auch während des Drehs?

Besong: Vorher war ich schon ein wenig nervös, aber wenn du dann auf dem Platz stehst, ist das vorbei. Dann konzentrierst du dich auf deine Aufgabe und versuchst diese möglichst gut zu machen. Das ist ja bei den Spielern nicht anders. Die Entstehung des Films hatte übrigens einen langen Vorlauf, denn die Redaktion von Zeigler hatte schon Anfang des Jahres beim FVN angefragt, welcher Schiedsrichter sich für einen solchen Dreh anbieten würde. Boris Guzijan, der stellvertretende Vorsitzende im Verbandsschiedsrichter-Ausschuss, hatte mich dann angesprochen und ich hatte Lust darauf. Für die Partie zwischen GSG und Wanheim war dann eigentlich ein anderer Kollege angesetzt, der aber kurzfristig ausgefallen ist. So bin ich eingesprungen und das Kamerateam war dabei.

Das Spiel hatte es ja in sich, Sie mussten zwei Rote und acht Gelbe Karten verteilen, außerdem gab es einen Elfmeter. Warum wird ausgerechnet ein erst 20-Jähriger zu solch einem schwierigen Spiel angesetzt?

Besong: Ich denke, dass ich mich in den letzten Jahren durch gute Schiedsrichter-Leistungen empfohlen habe und beim Kreisschiedsrichter-Ausschuss das nötige Vertrauen erlangt habe. Ich pfeife ja schon in der Landesliga und bringe trotz meiner recht jungen Jahre schon eine gewisse Erfahrung als Spielleiter mit. Aber natürlich gab es auch mal, als ich noch 18 war und mein erstes Spiel bei den Senioren gepfiffen habe, Sprüche wie: 'Wie alt bist du denn?'

In den Film sagen Sie, dass Sie in die Bundesliga wollen. Ist das realistisch?

Besong: Das wird man sehen. Wenn ich in dieser Saison gut pfeife und die entsprechenden Bewertungen erhalte, steige ich als Schiedsrichter in die Oberliga auf. Der nächste Schritt wäre dann schon die Regionalliga, womit ich dann auf DFB-Ebene angekommen wäre. Das ist mein Traum, mit dem DFB-Logo auf der Brust Spiele zu leiten. Auf dem Weg dahin, muss ich viele kleine Schritte gehen, das ist mein Ziel.

Jonah Besong (am Ball) im Trikot der Jungschiedsrichter-Masters-Auswahl des FVN-Kreises Duisburg/Mülheim/Dinslaken.
Jonah Besong (am Ball) im Trikot der Jungschiedsrichter-Masters-Auswahl des FVN-Kreises Duisburg/Mülheim/Dinslaken. - Foto: privat

Welcher Bundesliga-Schiedsrichter ist Ihr Vorbild?

Besong: Vorbild würde ich nicht sagen, aber Deniz Aytekin finde ich sehr gut. Er ruht in sich und ist eine echte Persönlichkeit, von der ich mir auf dem Platz eine Menge abschauen kann.

Wann haben Sie denn Ihr erstes Spiel gepfiffen?

Besong: Das war vor etwas mehr als sechs Jahren, ich war also 14, und eine ziemlich kuriose Angelegenheit (lacht). Schiedsrichter wollte ich aber schon früher werden. Ich war neun, als ich meinen Papa zu einem Spiel der Alten Herren des VfL Wedau begleitet habe. Die hatten meistens keinen Schiedsrichter und ich habe gesagt: 'Lasst mich doch pfeifen!' Ich habe das wirklich ernst gemeint, aber die Alten Herren haben mich dann doch nicht gelassen. Gut vier Jahre später hat mich der Trainer meines damaligen Klubs Post SV Duisburg angesprochen, ob ich nicht Schiedsrichter werden und mal zu einem Lehrgang gehen wolle. Ich weiß noch gut, wann das war: Genau an meinem 14. Geburtstag. Kurz darauf stand ich dann tatsächlich zum ersten Mal mit der Pfeife auf dem Platz, bei einem D-Jugend-Spiel in Duisburg.

Bis zur A-Jugend haben Sie selbst im Verein gekickt, erst beim Post SV und dann bei Ihrem jetzigen Klub TuRa 88 Duisburg. Haben Sie sich als Spieler über den Unparteiischen aufgeregt und gedacht, dass Sie das selbst besser hinkriegen würden?

Besong: Vielleicht nicht so direkt, sondern ich hatte schon auch immer Respekt vor der Leistung des Schiedsrichters. Da ich ein ausgesprochenes Gerechtigkeitsempfinden habe und mich gerne für andere einsetze – auf dem Mercator-Gymnasium war ich zwei Jahre lang auch Schulsprecher –, kam das vielleicht zwangsläufig auch im Fußball so.

Schiedsrichter stehen oft im Mittelpunkt der Kritik, ob in der Bundesliga oder der Kreisklasse. Gab es einmal einen Moment, in dem Sie die Pfeife am liebsten weggeschmissen hätten, zum Beispiel nach einer schwachen Leistung?

Besong: Nein, den gab es nie, dafür bin ich viel zu sehr mit Leidenschaft bei der Sache! Rückschläge auf meinem Weg als Schiedsrichter aber gab es natürlich schon. Es war vor etwas mehr als einem Jahr, mein zweites Spiel in der Landesliga zwischen dem PSV Wesel-Lackhausen und dem SV Burgaltendorf. Ich wusste, dass ein Schiedsrichter-Beobachter da ist und war sehr aufgeregt. Ich konnte mich nicht gut konzentrieren und habe leider einige Fehler gemacht, unter anderem einen klaren Elfmeter übersehen. Die Bewertung fiel dementsprechend schlecht aus, aber es war zum Glück nur einmal, dass ich so einen richtigen Mist gepfiffen habe.

Text: Heiko Buschmann

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