Fußballverband Niederrhein e.V.
Mein Team. Mein Verein. Meine Heimat.

FVN Aktuell

März 2001 - März 2009

Sie können die Ausgabe mit dem folgenden Formular filtern.
Filter
Datum:27.01.2008
Jugendfußball

Birgit und Martina statt „Poldi“ und „Schweini“

Mädchen haben andere Idole



Der Fußball-Boom in Deutschland reißt nicht ab! 10_200_11„Sommermärchen 2006“, „Frauen-Weltmeister 2007“ und „Frauen-Weltmeisterschaft 2011 im eigenen Land“ sind die Stichworte. Wer auf die Tribünen in den Stadien oder auf die „public viewing“-Plätze in den Innenstädten blickt, entdeckt immer mehr Mädchen und junge Frauen mit Fan-Artikeln ihrer Mannschaften und in den Trikots ihrer Lieblinge.

Auf den Fußballplätzen sieht es ähnlich aus: Junge Fußballerinnen tragen beim Training die Jerseys ihrer Idole und Vorbilder. Interessanterweise stecken viele talentierte Mädchen in Trikots männlicher Nationalspieler (was umgekehrt wohl nicht denkbar wäre). Die Entwicklung bezüglich der Fragen „Wer verehrt eine Fußball-Spielerin?“ oder „Wer fährt auf ein männliches Idol ab?“ hat auch Martina Voss, Verbandstrainerin im Fußballverband Niederrhein e.V. (FVN) genau beobachtet: „Heute kommen die Vorbilder und Idole der fußballspielenden Mädchen nicht mehr nur aus dem Männerbereich. So war es traditionell, wenn zum Beispiel ein Mädchen mit Eltern oder Freunden ins Stadion gegangen ist und dann dort die Kicker ihres Heimat- oder Lieblingsvereins verehrt hat. Heute werden auch immer mehr Spielerinnen als Vorbilder gesehen, weil der Frauenfußball präsenter ist.“ 

Wer sind die Idole und Vorbilder der fußballspielenden Mädchen? In vielen Fällen ist es sicherlich so, dass ein Spieler eher umschwärmt oder gut gefunden werden, weil der Typ gerade „in“ ist. „Ambitionierte Fußball-Mädchen sehen aber oft schon eher das Sportliche und möchten sich mit dem Vorbild identifizieren. Dann sind es meist die besten Spielerinnen, zum Beispiel aus dem erfolgreichen WM-Team oder aus der Lieblings-Bundesligamannschaft, denen man nacheifern möchte“, beschreibt Kathrin Peter, Trainerin der Westdeutschen U 15-Auswahl: „ Junge Spielerinnen haben ja auch viel eher die Möglichkeit, mal eine bekannte Fußballspielerin persönlich kennen zu lernen als es bei den männlichen Stars der Fall ist.“

Fast 250.000 Mädchen spielen mittlerweile Fußball in einem Verein. Tendenz steigend. Frauen- und Mädchenfußball wird längst als große Leidenschaft erlebt, die Spaß macht und zu guten Leistungen anspornt. Dass Top-Stürmerin Birgit Prinz einer ganzen Fußballerinnen-Generation zu größtem internationalen Ansehen verholfen hat, weiß inzwischen auch jeder männliche Fußball-Fan. Spielerinnen wie die Weltfußballerin des Jahres sind zu echten Idolen geworden.

Interessante Eindrücke vermittelt eine Stichproben-Befragung unter Nachwuchsspielerinnen zweier Niederrhein-Auswahlen sowie je einer Westdeutschen und Westfalen-Auswahl, in der sich 82 junge Fußballerinnen im Alter zwischen elf und 14 Jahren äußerten. Die Mehrheit der Mädchen gaben Nationalspielerin Birgit Prinz als ihr großes Vorbild an, schwärmten aber auch für aktuell groß aufspielende internationale Stars wie den Franzosen Franck Ribery oder den Portugiesen Cristiano Ronaldo. Auffällig ist, dass sich die Nachwuchsspielerinnen ausschließlich an deutschen Spielerinnen orientieren, während männliche Idole mittlerweile mehrheitlich internationale Cracks sind. Da dürften wohl die Medien und gut funktionierende Vermarktungsstrategien eine wichtige Rolle spielen – genau die Aspekte, in denen der Frauen- dem Männerfußball noch „hinterherhinkt“.

Zusätzliche Eindrücke offenbaren die fußballbegeisterten Teilnehmerinnen an Internet-Foren. Diese moderne Kommunikationsplattform wird von Heranwachsenden besonders gerne genutzt – natürlich auch von Fußballspielerinnen, wie etwa im vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) betriebenen Internetauftritt „ich-spiele-fussball.dfb.de“. Nicht nur dort diskutieren Mädchen leidenschaftlich, wer die beste Spielerin ist, wo interessante Turniere anstehen oder wo es eigentlich ein Fan-Trikot von Birgit Prinz oder Torhüterin Nadine Angerer zu bekommen gibt. Und immer wieder geht’s auch um die größten Idole und aktuellen Vorbilder.

Geht es um das konkrete Fußballerinnen-Vorbild, steht also eindeutig Nationalmannschafts-Stürmerin Birgit Prinz im Mittelpunkt. Auch ihre Weltmeisterinnen-Kolleginnen - Nia Künzer nach ihrem „golden goal“ 2003, Nadine Angerer nach ihrer Null-Gegentore-WM 2007 oder Simone Laudehr, die kürzlich zur „Sportlerin des Jahres 2007“ in Nordrhein-Westfalen gewählt wurde - stehen hoch im Kurs. Bei den männlichen Kickern – hier scheint der Aspekt „Schwärmerei“ ein wichtiges Argument zu sein – tauchen Namen wie Lukas Podolski (immer wieder gerne als „Poldi“ verehrt), Michael Ballack, Miroslav Klose oder Bastian Schweinsteiger häufig in der ganz persönlichen Idol-Liste auf. Natürlich spielen hier die geografischen Gegebenheiten (wie bei allen Fans) eine erhebliche Rolle.

Über die Entwicklung freut sich auch Martina Voss: „Zum Glück wird Frauenfußball in der Öffentlichkeit mittlerweile verstärkt wahrgenommen. So können sich junge Fußballerinnen auch leichter an weiblichen Vorbildern orientieren.“ Dass das Thema „Mädchenfußball und seine Idole“ auch wesentlich dadurch geprägt ist, dass die jungen Spielerinnen näher an den weiblichen Größen der kickenden Zunft dran sind, als es bei den männlichen Stars der Fall ist, zeigt die Befragung. Schließlich reiht sich die mehrfach genannte FVN-Verbandstrainerin Martina Voss dort selbst ganz oben ein – irgendwo zwischen „Poldi“ und „Schweini“… 

Text und Foto: Rüdiger Zinsel



Nach oben